Ein Satz Go-Steine besteht aus 180 schwarzen und 180 weißen Steinen. Nach den Regeln des Japanischen Go-Verbandes (Nihon-Ki-in) sollten die Steine einen Durchmesser von 22,1 mm besitzen. Dies ist jedoch nicht zwingend vorgeschrieben. Auch hier gilt: Vieles ist Geschmacksache! Die ausgewählten Steine sollten mit dem vorhandenen Go-Brett harmonieren und dem Spieler oder der Spielerin gut in der Hand liegen. Heute sind Steine aus weißem und schwarzem Glas am gebräuchlichsten, dies war jedoch nicht immer so. Früher wurden u.a. Holz, Jade, Horn, Halbedelsteine oder auch Quartz verwendet; später kamen Steine aus Schiefer und Muschelschalen hinzu. Nicht zuletzt wegen dieser sehr teuren Materialien blieb das Spiel lange Zeit der Aristrokratie vorbehalten.

Japanische oder koreanische Glassteine – was soll ich nehmen?

Eine Frage des Geldbeutels und des Geschmacks, die Unterschiede:

Dichte: Weiße japanische Go-Steine zeigen nach meinem Empfinden eine höhere Dichtigkeit, d.h. sie sind, auch gegen das Licht gehalten, strahlend weiss. Die weißen koreanischen Steine wirken manchmal etwas „milchig“ oder „durchsichtiger“. Dies fällt jedoch nur auf, wenn beide Steine zum Vergleich nebeneinandergelegt werden.

Form: Bei den koreanischen Steinen sind die Kanten betonter, wohingegen die Kanten der japanischen Steine stärker abgerundet werden, damit wirken sie auf den Betrachter runder.

Qualität: Die verwendete Glasqualität der japanische Go-Steine ist zugegeben besser, zudem wird in Japan sehr viel Wert darauf gelegt, dass nur einwandfreie Steine verkauft werden.

Die schwarzen japanische Spielsteine werden beim Abpacken in der Regel leicht geölt, da sie im Gegensatz zu den weißen Steinen keine glänzende Oberfläche haben und so beim Transport Kratzer davon tragen könnten.

Koreanische Steine werden häufig mit einer weißen, puderartigen Substanz geschützt.

Eine Anmerkung zu Schiefer- und Muschelsteinen

Lange wurde für die schwarzen Steine Schiefer aus einem Steinbruch in der Nähe Osakas verwendet. Der berühmteste Schiefer stammt aus diesem Gebiet; er wird als nachi-ishi oder nachi-guro bezeichnet. Die weißen Steine wurden aus den Schalen der Hamaguri-Muschel (meretrix meretrix lusoria) gewonnen. Diese Muscheln boten sich an, da die hierfür verwendete Hamaguri auch auf dem Speiseplan der Japaner stand.

Während noch heute Schiefer für die schwarzen Steine gebrochen wird, ist es zunehmend schwieriger geeignete Muscheln für die weißen Steine zu finden. In den überfischten japanischen Gewässern hat die Hamaguri nicht genügend Zeit heranzuwachsen. Für die Herstellung weißer Steine muss sie ca. 15 Jahre alt werden. Inzwischen wird deshalb auch die mexikanische Muschel (northern quahog, Mercenaria mercenaria) verwendet.

Die Qualität der Steine richtet sich nach Farbe und Maserung des Muschelmaterials, bzw. des Schiefers. Die Steine bester Qualität werden auch heute noch teilweise in mühsamer Handarbeit gefertigt. Als erstes wird ein kreisrunder Rohling aus dem Material gebohrt. Danach wird der Rohling mit Hammer und Meißel bis nahe an die endgültige Form bearbeitet. Anschließend werden die Rohlinge einzeln in einen Halter eingesetzt und in einem Schleifstein mit rinnenförmigen Vertiefungen geschliffen und poliert. Dazu sind große Mengen Wasser erforderlich. Die resultierenden Rückstände werden weggespült – eine Umweltverschmutzung, die schon früh dazu führte, dass sich die Werkstätten außerhalb dicht besiedelter Gebiete niederlassen mussten.

Edle Spielsteine müssen gepflegt werden. Schiefersteine ölt man leicht mit einem mineralischen Öl ein. Steine aus Muschelschalen sind empfindlich gegen Säuren (Handschweiß!) und Laugen; deshalb erhalten sie einen Überzug aus Baumwachs, der alle fünf Jahre erneuert werden sollte. Zur Aufbewahrung der Steine dienen Holzdosen, die mit einem weichen Tuch ausgelegt werden.